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Fahrzeit mit Wohnwagen realistisch berechnen

Routenplaner rechnen für PKW. Mit Gespann sind es 40 bis 60 Prozent mehr, plus eine Stunde für Ankunft und Aufbau — so kommt ihr auf eine Zahl, die hält.

Stand Lesezeit 8 min Aktualisiert

Gespann auf einem schattigen Rastplatz unter Platanen, die Zufahrt führt in offenes Land weiter

Die Kurzformel: PKW-Fahrzeit × 1,5, plus eine Stunde für Ankunft und Aufbau. Wer es genauer will, rechnet die Etappe in Abschnitte — aber die Faustformel liegt näher an der Wirklichkeit als jeder Routenplaner in der Grundeinstellung.

Denn Routenplaner rechnen für einen PKW. Sie kennen euer Gespann nicht, sie kennen die Tempolimits für Anhänger nicht, und sie wissen nicht, dass ihr am Ziel noch 45 Minuten rangiert. Die Zahl, die dort steht, ist deshalb nicht ein bisschen zu niedrig, sondern systematisch zu niedrig.

Woraus sich der Aufschlag zusammensetzt

Vier Posten, die sich addieren — und keiner davon ist Meinung.

1. Das Tempolimit

Für Gespanne gelten eigene Höchstgeschwindigkeiten, und sie unterscheiden sich von Land zu Land erheblich. In Deutschland sind es in der Regel 80 km/h, mit Tempo-100-Zulassung entsprechend mehr. Wer mit 130 rechnet und 80 fährt, hat die Etappe um 60 Prozent verfehlt, bevor er losgefahren ist.

Schlagt die Limits für eure Reiseländer vor der Planung nach. Sie hängen oft am zulässigen Gesamtgewicht des Gespanns, ändern sich, und die Bußgelder sind in einigen Ländern empfindlich. ADAC und ÖAMTC führen dafür Länderlisten. Eine Tabelle in einem Blogartikel ist dafür die falsche Quelle — auch diese hier.

2. Die Steigung

Am Berg ist nicht das Limit die Grenze, sondern der Motor. Eine Passstraße, die ein PKW in vierzig Minuten nimmt, dauert mit Gespann gut die Hälfte länger. Und die Abfahrt genauso, weil man sie nicht rollen lässt, sondern im niedrigen Gang bremst.

Faustregel: Jeder längere Anstieg kostet gegenüber der PKW-Zeit noch einmal 50 Prozent extra, zusätzlich zum Tempolimit-Aufschlag.

3. Die Pausen

Mit Anhänger fährt man nicht sechs Stunden am Stück. Das ist keine Vorschrift, sondern Konzentration: Rangieren, Spiegel, Seitenwind, Lastwagen beim Überholen. Rechnet alle zwei Stunden eine echte Pause von 20 bis 30 Minuten.

Bei einer Sechs-Stunden-Etappe sind das zwei Pausen und damit rund eine Stunde, die im Routenplaner nicht steht.

4. Ankunft und Aufbau

Der am häufigsten vergessene Posten, und der einzige, der nicht mit der Strecke skaliert — er fällt bei jedem Platzwechsel an, egal ob ihr 80 oder 500 Kilometer gefahren seid:

Schritt Dauer
Anmeldung, Platz zugewiesen bekommen 10–20 min
Rangieren und ausrichten 10–25 min
Stützen, Auffahrkeile, Waagerechte 5–15 min
Strom, Wasser, Abwasser 5–10 min
Vorzelt (wenn eines mitkommt) 20–45 min

Ohne Vorzelt landet ihr bei 30 bis 70 Minuten, mit bei 50 bis 115. Eine Stunde ist der ehrliche Mittelwert, und er gilt auch am Abreisetag noch einmal.

Ein Beispiel, durchgerechnet

Angenommen, der Routenplaner sagt für die Etappe 4 Stunden 30 (PKW, 480 Kilometer, davon 380 Autobahn und 100 Landstraße mit einem Anstieg):

Posten Zeit
PKW-Zeit laut Planer 4:30
Tempolimit-Aufschlag (Autobahnanteil) +1:40
Anstieg auf der Landstraße +0:20
Zwei Pausen +0:50
Ankunft und Aufbau +1:00
Realistisch 8:20

Aus einem entspannten Nachmittag ist ein voller Tag geworden — und zwar einer, der um acht Uhr morgens anfangen muss, wenn ihr vor dem Abendessen stehen wollt.

Genau diese Rechnung ist der Grund, warum eine Wohnwagen-Route weniger Etappen verträgt, als sie auf der Karte aussieht.

Die Gegenprobe an der eigenen letzten Reise

Die Faustformel ist ein Startwert. Eure eigene Zahl steht in eurer letzten Reise:

  1. Nehmt eine Etappe, bei der ihr die Abfahrts- und die Ankunftszeit noch wisst.
  2. Zieht die Pausen ab, die ihr sicher gemacht habt.
  3. Teilt die Kilometer durch die verbliebene Zeit — das ist euer echter Reiseschnitt inklusive allem.
  4. Rechnet künftige Etappen mit dieser Zahl.

Bei den meisten Gespannen liegt der Wert zwischen 60 und 75 km/h über einen gemischten Tag. Das klingt niedrig und ist der Grund, warum 500-Kilometer-Etappen in der Planung so harmlos aussehen und in der Wirklichkeit den Tag fressen.

Was das für die Planung heißt

Drei Konsequenzen, die sich direkt aus den Zahlen ergeben:

Fünf Stunden sind die sinnvolle Obergrenze für eine Etappe mit Gespann — reine Fahrzeit, ohne Aufbau. Darüber kommt ihr an und habt vom Ankunftstag nichts mehr.

Jeder Platzwechsel kostet einen halben Tag. Deshalb lohnen sich wenige, längere Aufenthalte: zwei Nächte sind das Minimum, drei bis vier das angenehme Maß.

Die Anreise ist der längste Fahrtag der Reise und wird trotzdem am seltensten geplant. Wenn sie über acht Stunden liegt, gehört ein Zwischenstopp hinein. Ein Zwischenplatz kostet 25 Euro; ein durchgezogener Elf-Stunden-Tag kostet die Stimmung der ersten drei Urlaubstage.

Und dann gehört die Zahl an die Etappe

Eine Fahrzeit, die jemand im Kopf überschlagen hat, hilft der Gruppe nicht. Sie hilft, wenn sie an der Etappe steht — gerechnet für das Fahrzeug, das wirklich fährt, nicht für einen PKW, den niemand dabei hat. Dann sieht jeder, der auf den Plan schaut, ob Tag 2 machbar ist, und die Diskussion „das ist doch nicht weit" findet gar nicht erst statt.

Wie eine Wohnwagen-Route insgesamt aufgebaut wird — Stellplatzwahl, Saison, Reihenfolge und die Nächte, die sichtbar offen bleiben sollen — steht im Beitrag Wohnwagen-Urlaub planen. Wer ohne Anhänger, dafür auf zwei Rädern unterwegs ist, findet die entsprechenden Zahlen unter Wie viele Kilometer am Tag auf dem Motorrad?.

Die nächste Reise fängt mit einem Ort an.

Die Ersten dazuholen könnt ihr, bevor irgendetwas feststeht.

Coming soon…

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